Karlsruhe – “Die Eröffnung des ECE-Centers Ettlinger Tor hat Papier Fischer und anderen Einzelhändlern Umsatz und Kunden gekostet”, zu diesem Ergebnis kommt Armin Kerschbaum von der Merkur-Akademie International in seiner Betriebswirtarbeit mit dem Titel “Marktpositionierung eines Facheinzelhändlers in Innenstadtlage”. Allerdings sei der Standort Kaiserstraße durch die baulichen Maßnahmen der großen Kaufhäuser und der Stadt auch attraktiver geworden.
Es bestünden daher “gute Erfolgschancen für Papier Fischer und den Karlsruher Einzelhandel”, wenn sie es schaffen, sich mit einem eindeutigen und unverwechselbaren Profil zu positionieren, so Kerschbaum, der in einem Monat seine Ausbildung an der Fachschule für Betriebswirtschaft der Merkur-Akademie abschließen wird. Diese Auffassung teilt auch Gabriele Calmbach-Hatz, Geschäftsführerin von Papier Fischer, die mit großem Einsatz daran arbeitet, dass das Karlsruher Traditionsunternehmen – eines von nur noch neun inhabergeführten Geschäften in der Kaiserstraße – erfolgreich am Markt bestehen bleibt. “Unsere Positionierung geht eindeutig in Richtung Hochwertigkeit”, sagt die Urenkelin des Unternehmensgründers.
Mehrere städtebauliche Maßnahmen in den Jahren 2005/06 – für die die Stadt 4,1 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat – haben die Kaiserstraße aufgewertet: So wurden etwa Rundbänke, Lichtsäulen, neue Kulturringsäulen und neue Abfallbehälter installiert, Gehwege verbreitert und Plätze umgestaltet. Unstrittig positive Wirkung besteht in den Aktivitäten der großen Häuser wie zum Beispiel Karstadt, Breuninger und dm-Drogeriemarkt, die ihre Häuser renoviert und ausgebaut haben oder neue Filialen eröffnet haben. Passantenbefragungen haben laut Kerschbaum ergeben: Die meisten Konsumenten (55 Prozent) gehen nach wie vor am liebsten in der Kaiserstraße einkaufen, das ECE-Center empfinden sie als attraktive Ergänzung.
“Absolut gesehen haben wir eine Zunahme an Besuchern in der Karlsruher Innenstadt”, sagt auch Andrea Scholz von der Wirtschaftsförderung Karlsruhe. Allerdings gibt es eine deutliche Verschiebung von den Wochentagen auf die Samstage. “Ab Donnerstagnachmittag wird es in der Stadt voller”, so Andrea Scholz. An 22 Zählstellen hat die Stadt Karlsruhe von 2003 bis 2006 das Besucher- und Einkaufsverhalten erfasst.
Den festgemachten Frequenzrückgang bei Papier Fischer führt Gabriele Calmbach-Hatz auf die veränderten Besucherströme zurück: “Der untere Teil der Kaiserstraße von der Herrenstraße bis zur Postgalerie ist deutlich weniger frequentiert.” Hingegen profitiere das Dreieck ECE, Marktplatz und obere Kaiserstraße bis Herrenstraße. “Es fehlen uns zehn Prozent Frequenz”, so Calmbach-Hatz, die auch Vorsitzende der Karlsruher City-Initiative ist.
Durch die baulichen Maßnahmen der vergangenen Jahre profitiert vor allem das Dreieck ECE, Marktplatz und obere Kaiserstraße bis Herrenstraße von den neu gewonnen Kundenströmen (Foto: ka-news) Die Lage wird außerdem dadurch erschwert, dass die Kunden anders einkaufen: punktuell und bewusster – eine Tatsache, die Calmbach-Hatz auf die veränderte wirtschaftliche Lage zurückführt. Nicht nur der Kundenmagnet ECE erschwert den etablierten Karlsruher Einzelhandelsgeschäften in der Karlsruher City den Wettbewerb. Sie konkurrieren auch mit Filialen von großen Warenhäusern, Verbrauchermärkten am Stadtrand und Discountern mit Niedrigstpreisen.
Zwei Marktsegmente, in denen sich Papier Fischer unverwechselbar positionieren könnte, hat der angehende Betriebswirt Kerschbaum in seiner mit der Note eins bewerteten Arbeit genauer unter die Lupe genommen und weiter ausgearbeitet. Ein Ansatz zielt auf die 50 plus-Generation, bei dem anderen handelt es sich um einen Jugendshop, der die Zielgruppe nicht nur durch ein ausgefallenes Sortiment ansprechen könne, sondern auch durch einen von Sprayern gestalteten Verkaufsraum, einen Jugendrabatt, Selbstbedienungsautomaten und spezifischem Onlinemarketing. (ps/jfk)
Quelle: http://www.ka-news.de/karlsruhe/news.php4?show=jfk2006713-294I
